Heute durfte ich mal wieder einen ganz besonders cleveren Fall von Affiliate-Betrug erleben.
Aus diesem Grund möchte ich kurz erläutern wie einfach wir, die Advertiser, es Publishern machen, uns übers Ohr zu hauen. Ich möchte aber ausdrücklich darauf hinweisen, dass (<)90% aller Publisher faire Geschäftspartner sind.
So geht's:
Der Publisher stellt eine Website mit dutzenden Links zu Advertisern online. Unter anderen auch die großen Baxx, Otxx und Tcxxxx. Die Seite selbst wirkt sehr unprofessionell (like anno 1999), nicht zu vergleichen mit den professionellen Auftritten von anderen großen Affiliates (Gutscheinportale, Vergleichsseiten). Trotzdem weist die Seite einen PageRank von 3 auf - er weiß also wie der Hase läuft.
Trotz des vermeintlich guten PR von 3 erscheint die Seite nicht auf den ersten SERPs von Google, wenn man nach "Advertisername + Gutschein" sucht. Also ist schon mal ausgeschlossen, dass er viel Traffic über diesen Weg erhält. Nun kommt die geniale, allerdings illegale Idee.
Obwohl in den Affiliate-Nutzungsbedingungen SEM verboten ist, bucht er Google AdWords Anzeigen für die entsprechenden Markennamen und schaltet Anzeigen, die einen offiziellen Charakter aufweisen. Der Endkunde merkt nicht, dass die Anzeige nicht vom eigentlichen Shopbesitzer ist, da er auf die gewünschte Seite des Markeninhabers geleitet wird. Als Deeplink ist der Trackinglink eines Affilate-Netzwerks (Belboon,Affilinet etc.) hinterlegt. Damit setzt der entsprechende Publisher einen Cookie und verdient bares Geld, ohne große Aufwände zu betreiben.
Nun kommt das eigentlich geniale daran. Der Publisher schaltet die Anzeigen nicht in der Region des Advertisers. Damit ist ausgeschlossen, dass Mitarbeiter der Unternehmen, diese gefakte Anzeige zufällig entdecken. Als zweite Sicherheitsstufe schaltet er die Anzeigen nur zwischen 20:00 Uhr und 07:00 Uhr. Damit ist auch ausgeschlossen, dass Mitarbeiter und Agenturen, die mit der Betreuung des Partnerprogramms beschäftigt sind, diese Anzeigen während den Geschäftszeiten entdecken.
Damit hat der gute Junge also das perfekte Verbrechen erfunden. Es ist unmöglich, diesen Betrug zu entdecken - wenn man die entsprechenden Tools nicht hat.
Es gibt sogenannte Brand Protection Tools, die in vorher fest gelegten Abständen das Web nach festgelegten Keywords durchforsten und klickbare Screenshots erzeugen. Ich nutze dazu das Tool von Sistrix. Damit habe ich die Möglichkeit alle meine geschützten Begriffe zu monitoren und sofort zu reagieren.
Habt ihr auch Erfahrung mit Affiliate-Betrug gesammelt?
Update: Da mein Telefon seit heute Mittag nicht mehr still steht und ich mich ständig rechtfertigen muss, möchte ich nochmals deutlich sagen, dass ich mit “< 90 Prozent" nicht gemeint habe, dass ich die Mehrheit der Publisher damit an den Pranger stelle. Der Großteil hat redliche Absichten.
Update 2:Ich persönliche nutze auch das IntelliAd-Tool. Ich kann beide empfehlen!



Das ist mal eine Aussage. <90% also weniger als 90% aller Publisher sind faire Geschäftspartner ;-)
Ich musste rasch auf das Datum des Postings schauen, der Inhalt hätte auch 10 Jahre her sein können ;-)
Spass beiseite, die Taktik ist natürlich letztklassig. Aber es klingt echt so, als hättest du das jetzt gerade erst bemerkt. Wird seit vielen, vielen Jahren immer wieder (erfolgreich) versucht. Seit ebenso vielen Jahren gibt es eine ganze Reihe von Tools, die die Problematik monitoren.
Hallo Thomas, da ich in anderen Blogs schon lange keine Beiträge mehr zu diesem Thema gelesen habe und ich mich heute mal wieder über so einen “Spezialisten” aufgeregt habe, dachte ich mir: “es ist mal wieder Zeit darauf hinzuweisen”. :-)
Alter Hut. Brand Bidding sollte heute für den Advertiser kein Problem mehr darstellen, dazu gibt es mittlerweile einfach zu viele technische Lösungen!
Schwarze Schafe die “Lücken” des Systems o.ä. ausnutzen wird es immer geben. Schau Dir doch nur mal einige, sogar aktiennotierte, SEO Unternehmen an wie die die Kunden übern Tisch ziehen. Ich hoffe Ihr habt Erfolg!!!
Bitte bitte vergesst doch endlich den PR als Kriterium für SEO zu nehmen. Zudem wäre ein PR3 auch nicht gut.
Ansonsten ist das klassisches BrandBidding was er macht. Nicht dumm, klar, aber auch nichts neues.
Nicht gut. Aber wirklich neu ist das nicht. Ich beobachte einige solcher Aktionen und frage mich, warum das den Markeninhabern (größere europäische Händler) nicht auffällt. Sowas muss man doch unbedingt monitoren.
Diesen Trick verwenden mittlerweile viele, nicht umsonst gibt es auch diese erwähnten Brand Protection Tools. Bei einem solchen Tool muss man aber auch darauf achten, dass die Abfragen möglichst verteilt durchgeführt werden.
Ich weiß nicht wie es bei Sistrix derzeit aussieht, ob dort nur von einem Standort abgefragt wird, falls ja wäre dies wiederum auch nicht gut, da man sonst ja zusätzlich auch diese Region einfach ausstellen könnte. Beim intelliad Tool (um mal ein weiteres zu nennen) weiß ich, dass dieses die Keywordabfragen von verschiedenen Standorten innerhalb Deutschlands durchführt, so findet man die “bösen Buben” dann noch schneller.
Ich muss leider sagen das IntelliAd bei einem Kznden von mir nicht angeschlagen hat. Es war das menschliche Alarmsystem was funktioniert und nachweisen konnten es dann Gott sei Dank durch ein anderes Tool. Zeigt auch diese Tools geben keine 100%ige Sicherheit!
Na das nen ich mal clever! Auf die Idee muss man erstmal kommen!
Hi Michael,
Entschuldige bitte, aber: Das ist doch ein alter Hut?! Ich kenne solche Vorgehensweisen schon seit Jahren. Wer sich als Affiliate Agentur heute noch so über’s Ohr hauen lässt, der macht den falschen Job.
Sistrix ist sicherlich nicht (!) für richtig professionelles Brand-Monitoring geeignet. Viele dieser “Experten” können nämlich mit Leichtigkeit herausfinden, wann genau Sistrix immer die Ziel-URLs prüft.
Das ist dann die nächsthöhere Stufe. Sistrix prüft nämlich auch immer nur zur vollen Stunde. Dann schalte ich meine Anzeigen eben immer von X:02 Uhr bis X:58 Uhr und schon findet mich auch der Johannes nicht mehr. :-)
Nichts gegen die Toolbox, aber für wirklich große Webseiten ist das alleinige Monitoring mit Sistrix definitiv zu wenig. Da gibt es noch viel umfangreichere Tools, die kosten aber auch entsprechend.
Hallo Michael,
die “bösen” Affiliates gehen teilweise noch viel raffinierter vor, als in dem in Deinem Artikel beschriebenen Beispiel. Wenn Du mehr Infos willst, schreib mich einfach über XING an, dann schalte ich Dir meine Kontaktinfos frei und wir können uns direkt austauschen…
Gruß,
Peter
Der weitaus größte Teil der Partner arbeitet nach meiner Erfahrung sauber. Ist zudem kein ganz neues Thema, daher finde ich die Überschrift etwas reißerisch. :-) Weil es aber dennoch immer wieder mal vorkommt, kann ich das Brand Protection Tool von Xamine empfehlen.
Brand Bidding war vor 3-5 Jahren ein großes Thema. Dachte das wäre mittlerweile durch. Man muss es als Merchant natürlich im Blick haben, aber das ist heute doch eigentlich kein Problem mehr. Was mir immer gefehlt hat, ist das dagegen auch konsequent vorgegangen wird. Da ist es kein Wunder, dass es immer noch versucht wird.
Interessant: Soeben habe ich die neue Internet World Business erhalten. Titelgeschichte: “Vorsicht vor Abzockern – Experten beklagen mangelnde Aufmerksamkeit der Advertiser beim Affiliate Marketing”. So “veraltet” scheint das Thema doch nicht zu sein… ;-)
Ich bin durch Jacqueline Bork auf das Ganze aufmerksam geworden.
Danke für den aufschlussreicehn Beitrag.
Ich war gerade am Recherchieren zum Thema “Affiliate-Betrug”, da stolperte ich bei Google über diesen Artikel hier.
Es gibt ja gerade wieder einen hochinteressanten Fall, ich habe hier darüber berichtet:
http://blog.100partnerprogramme.de/2011/11/23/betrug-bei-affiliateagenturen-oder-doch-nicht/
Gruß
Karsten